Der Alpenkönig und der Menschenfeind

 

Während Astragalus mit seinem Gefolge von der Jagd heimkehrt, erwartet Malchen die Rückkehr ihres Geliebten August von seinem Studienurlaub in Italien. Rappelkopf, wegen schlimmer Erfahrungen zum Menschenfeind geworden, ist strikt gegen diese Verbindung. Er hasst seine ihn dennoch liebende Gattin Sophie, nur weil sie die beiden unterstützt. Seine ersten drei verstorbenen Frauen beschuldigt er, „aus Bosheit“ gestorben zu sein.

Als der Alpenkönig erscheint, läuft Malchens Kammermädchen Lieschen entsetzt davon, denn sie ist überzeugt:

„Wissen sie denn nicht, daß jedes Mädchen, das den Alpenkönig erblickt, in dem Augenblick um vierzig Jahre älter wird?“ (Erster Aufzug, vierte Szene)

Astragalus verspricht Malchen und August, ihnen zu helfen und für eine baldige Hochzeit zu sorgen. In Rappelkopfs Haus klagt die Dienerschaft über die ungerechte Behandlung, Sophie versucht sie mit der Mitteilung zu beruhigen, sie haben ihren Bruder Silberkern herbeigerufen, damit dieser mit dem Hausherrn ein ernstes Wort rede.

„Ich kann euch nicht fortlassen, weil heute oder morgen mein Bruder ankommt, der vieles über meinen Mann vermag. So lange müßt ihr die Launen eures Herrn noch ertragen.“ (Erster Aufzug, zehnte Szene)

Doch Rappelkopf ist überzeugt, sein Schwager habe ihn beim Ruin eines venezianischen Kaufhauses übervorteilt und arm gemacht. Nachdem er von Lieschen erfahren hat, dass die zwei jungen Leute sich heimlich getroffen hätten, beschuldigt er seine Frau, ihn zu hintergehen. Den Diener Habakuk („Ich war zwei Jahr' in Paris, aber ein solcher Herr ist mir nicht vorgekommen.“), der mit einem Küchenmesser Zichorien stechen gehen will, verdächtigt er den völlig Verblüfften, ihn im Auftrag von Sophie ermorden zu wollen. Er zerschlägt seine Möbel und läuft wütend in den Wald hinaus.

Dort kommt er zur armseligen Hütte des Kohlenbrenners und bietet ihm Geld, damit dieser mit seiner Familie auszieht und ihm die Hütte überlässt. Zwar sind die Köhlersleute bald überredet, dennoch verlassen sie traurig ihr Zuhause mit einem Abschiedslied:

„So leb' denn wohl, du stilles Haus,
Wir ziehn betrübt aus dir hinaus.“ (Erster Aufzug, zwanzigste Szene)

Astragalus tröstet die verzweifelten Angehörigen und die Bediensteten und verspricht, nun rasch für die Bekehrung des Menschenfeindes zu sorgen. Durch ein Hochwasser zwingt er Rappelkopf, mit seinem Plan einverstanden zu sein: Astragalus verwandelt sich in Rappelkopf, diesen lässt er die Gestalt von Silberkern annehmen. Nun muss Rappelkopf erleben, wie sein Ebenbild brutal und ungerecht mit seiner Familie und dem Gesinde umspringt. Zwar ist er anfangs durchaus mit dessen rauer Art einverstanden, bald aber wird es sogar ihm zu viel:

„Ich bin ja ein rasender Mensch! Ich fang' mir ordentlich an, selbst zuwider zu werden. Das hätt' ich in meinem Leben nicht gedacht.“ (Zweiter Aufzug, zehnte Szene)

Und dazu muss er noch anhören, dass seine von ihm so drangsalierte Umgebung dennoch zu ihm hält, und nur hofft, dass es sich zum Besseren ändern würde. Wütend fordert er Astragalus, als dieser seine Familie verflucht, zum Duell – Rappelkopf soll also auf Rappelkopf schießen, was ja, wie er glaubt, Selbstmord wäre. Doch Astragalus springt aus Wut und Verzweiflung in den Wildbach und in diesem Moment wird Rappelkopf mit seiner Familie in den Tempel der Erkenntnis versetzt. Dort verspricht er, sich zu ändern – vor allem auch, weil Silberkern von der Rettung seines Vermögens berichtet – er führt Malchen und August zusammen und schließt seine Gattin um Verzeihung bittend in die Arme:

„Kinder, ich bin ein pensionierter Menschenfeind, bleibt bei mir, und ich werde meine Tage ruhig im Tempel der Erkenntnis verleben.“ (Zweiter Aufzug, fünfzehnte Szene)

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