Foto: Janine Guldener

Sehr geehrte Besucherinnen und Besucher!

 

Während unserer Endproben für „Der Diamant des Geisterkönigs“ im Sommer 2016 musste ich einen Herrn der Gemeinde, der rund um das Theaterzelt den Rasen mähen wollte, bitten, damit ein wenig zu warten, da der Lärm die Probe erheblich störte. Er sagte daraufhin den grandiosen Satz: „Jetzt probt’s scho so lang und könnt es allaweil no net!“

 

Besser kann man Theater nicht beschreiben...

 

Es wurde ein wunderschöner Sommer und ich möchte mich dafür ganz ausdrücklich zuallererst bei allen Gutensteinerinnen und Gutensteinern bedanken.

 

Theater ist eine Kunstform, die immer mit dem Ort zu tun hat, an dem sie stattfindet. Wir haben uns hier in Gutenstein für einige Wochen niedergelassen und als Künstlerfamilie gelebt. Die Herzlichkeit, mit der uns die Gemeinde aufgenommen und umsorgt hat, war überwältigend. Das gesamte künstlerische Team, alle Schauspielerinnen und Schauspieler waren begeistert von der Atmosphäre der Raimundspiele.

 

Aber nicht nur wir Künstler, auch die Besucherinnen und Besucher konnten feststellen, dass dieses Jahr so manches anders und besonders war an den neuen Raimundspielen – nicht nur das wunderschöne, bunt bemalte Zelt.

 

Wo findet man Damen, die ehrenamtlich die vorzüglichsten Speisen für das Theaterbuffet bereiten und dort auch noch für ein Lächeln selbst bedienen?

 

Wo findet man einen Bürgermeister, der den Besucherinnen und Besuchern in der Pause persönlich den „Gspritztn“ aufwartet?

 

In Gutenstein!

 

Wie oft habe ich den Satz gehört: „Was für eine besondere Atmosphäre habt Ihr hier!“

 

Ich hatte hohe Ziele für mein erstes Jahr als Prinzipalin und viele meiner Wünsche sind in Erfüllung gegangen. Unsere Premiere war glanzvoll und gut besucht. Auch Landeshauptmann und Justizminister haben sich persönlich von der Qualität der neuen Raimundspiele überzeugt.

 

Wir haben eine Aufführung zustande gebracht, die bei Presse und Publikum hervorragend angekommen ist.

Hier ein paar kurze Auszüge aus einigen Kritiken:

 

DIE PRESSE am 22.07.2016:

„GUTENSTEIN IST EINE REISE WERT.“

Schönes Kopfkino mit Raimund.

Cornelia Rainer inszenierte „Der Diamant des Geisterkönigs“ als Psychodrama.

Entgeisterte Figuren suchen nach ihrer Bestimmung.

Andrea Eckert gibt ihnen Hoffnung.

(Barbara Petsch, Die Presse, 22.07.2016)

 

DER STANDARD am 22.7.2016:

Ein bisschen Frühlingsschein im Spiel der Sommerlüfte.

Andrea Eckerts neue Ära in Gutenstein: Ferdinand Raimunds „Der Diamant des Geisterkönigs“

In Gutenstein feiert man dieser Tage sehr vergnüglich den Anbruch einer neuen Ära. Wirklicher Geisterstaub wird verstreut, wenn die Prinzipalin auftritt. Andrea Eckert, eine Lebedame, die mit der roten Rose der Vergänglichkeit in der Hand direkt aus Paris nach Gutenstein angereist zu sein scheint. Von einem gelungenen Auftakt einer neuen Ära lässt sich, im Gutensteiner Frühlingsschein, jedenfalls sprechen.

(Ronald Pohl, Der Standard, 22.7.2016)

 

NÖN am 26.07.2016:

Ferdinand Raimund hätte seine Freude.

Gutenstein ist, vor allem rund ums Theaterzelt, so herausgeputzt, dass Raimund seine Freude gehabt hätte. Die hatten auch die Premierengäste, die sentimental zurück und erfreut nach vorne blicken konnten. Um die Zukunft der Raimundspiele muss man sich einstweilen keine Sorgen machen.

(Prof. Thomas Jorda, NÖN, 26.7.16)

 

OBERÖSTERREICHISCHE NACHRICHTEN:

… Ein aufgerauter Raimund wird hier geboten mitsamt allen Unstimmigkeiten, die dem Wesen dieses Schwierigen letztlich entsprechen ...

 

Das Erscheinungsbild der Raimundspiele ist im Wandel begriffen ...

 

 

Diese hohe Akzeptanz gab uns die Möglichkeit, nach dieser Saison wieder in der Gemeinschaft des THEATERFESTS NÖ aufgenommen zu sein. Das bedeutet mir als Prinzipalin viel.

 

Der Theatersommer 2016 in Gutenstein war also eine glückliche Zeit und ich möchte betonen, wie sehr es mich freut, von der Gemeinde das Vertrauen für die Intendanz der Raimundspiele der nächsten drei Jahre übertragen bekommen zu haben. Ganz besonders freut mich, dass diese Entscheidung des Gemeinderats einstimmig gefallen ist, denn es bedeutet, dass meine Arbeit in der Saison 2016 positive Resonanz im Ort ausgelöst hat.

 

Ich möchte den von mir eingeschlagenen Weg weitergehen. Die Erfahrung dieses Jahres hat gezeigt, dass Ferdinand Raimund ein Autor für alle Publikumsschichten und Altersstufen sein kann. Die Menschen haben gelacht, waren verzaubert und haben mit glücklichen Gesichtern das Theater verlassen – mit dem Versprechen, im nächsten Jahr wiederzukehren. Diese breite Akzeptanz ist mir wichtig, denn ich möchte Ferdinand Raimund durch unsere Festspiele neue Popularität verschaffen. Selbstverständlich wollen wir die Verkaufszahlen in den nächsten Jahren nach Möglichkeit steigern, die Wahrung des künstlerischen Niveaus ist dennoch mein höchstes Anliegen.

Fest steht und soll hier noch einmal bekräftigt sein: Die Festspiele werden sich unter meiner Intendanz ausschließlich der Pflege von Ferdinand Raimund und seinem dramatischen Werk widmen. Die Stücke Ferdinand Raimunds sind Weltliteratur und werden unsere Besucherinnen und Besucher immer wieder berühren und faszinieren. Die Konzentration auf diesen – nicht nur nach Meinung des Germanisten Prof. Urbach – größten österreichischen Dichter des 19. Jahrhunderts und die Pflege seines Werkes in den verschiedensten Facetten verstehe ich als Aufgabe und Widmung des Festivals. In diesem Bestreben werden behutsam neue Wege eingeschlagen, um dem Dichter die durch Aufführungstraditionen festgewachsene Maske abzunehmen und dahinterzuschauen. Gutenstein tut gut daran, mit Liebe und Selbstbewusstsein auf Raimund zu setzen, der in dieser schönen, heute etwas entlegenen Gegend die Quelle seiner Inspiration und Ruhe für seine unruhige Seele fand.

 

Die Raimundspiele haben dadurch in der vielfältigen Festspiellandschaft Niederösterreichs eine ganz besondere Position und Wichtigkeit und ich bin dankbar und glücklich über die Subventionszusage des Landes NÖ für die nächsten drei Jahre. Für diese Zeit wurde von mir ein konkretes, schriftliches Konzept erstellt, an dessen Realisierung ich arbeite.

 

2017 möchte ich eines der wunderbarsten Stücke des großen, verehrten Ferdinand Raimund auf den Spielplan setzen: „Der Alpenkönig und der Menschenfeind“.

 

Das Dictum, dass Ferdinand Raimund sich die Stücke von der Seele und auf den Leib geschrieben hat, trifft hier in der Selbstkonfrontation des Rappelkopfs wohl besonders zu.

 

Er selbst schreibt darüber an einen Theaterdirektor:

 

Wien am 8ten October 829.

Wohlgeborner Herr!

Ich fühle mich sehr geehrt, daß Sie meinen Alpenkönig zu Ihrem Benefiz verlangen und kann Ihnen dieses Zauberspiel samt Partitur um den Preis von 12 # in Gold überlassen. Ist es jedoch der Wille der Direction es so auszustatten, wie es das Stück unumgänglich verlangt, wenn es mit wahrem Erfolge für die Casse soll fortgegeben werden, so würde ich Ihnen für den Preis von 8 f CM. die gemalten Scizzen der Dekorationen Costüme, das Modell der Maschinerie des ersten Actschlusses und die zwey darinn vorkommenden Zugkleider im Kleinen verfertigen lasse. Sollten Sie dieses nicht bedürfen so werde ich mir in jedem Falle die Ehre geben Ihnen einige Erläuterungen über die Art der Aufführung mitzutheilen.

Ihre gütige Äusserung erwartent, verharre ich mit ausgezeichneter

Hochachtung als Ihr

ergebenster Raimund

 

Man sieht: Auch damals war das Geld ein zentrales Thema.

„Die Kunst geht nach Brot“, wie wir nicht erst von Lessing wissen. Es ist unsere Lebensrealität. Aber viel wichtiger ist es, unseren Beruf ausüben zu dürfen. Das Theater bestimmt unser Leben und der eingangs erwähnte Ausspruch trifft etwas genau, was vielen Schauspielerinnen und Schauspielern eignet und was man vielleicht am besten mit Demut beschreiben kann: das Bewusstsein, immer weit hinter der Vollendung zurückzubleiben und doch nie aufzuhören, ihr nachzujagen ...

 

Und genau das werden wir auch im Jahr 2017 hier in Gutenstein wieder tun.

 

Ich komme mit einer leicht veränderten KünstlerInnenfamilie, aber mit derselben Sehnsucht im Herzen, in diesen Wochen die Zeit anzuhalten und etwas ganz Besonderes zu schaffen, das uns und allen Menschen, die den Weg nach Gutenstein finden, in schöner Erinnerung bleiben wird.

 

Andrea Eckert



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